Flugbeschreibung und Bilder eines Fluggastes von einem Tandemflug im Mittleren Schwarzwald, 

Flugdauer 1 Stunde und 50 Minuten


Start in Oppenau NO, Moosturm, Nordrach, Zellharmersbach, Oberharmersbach, Geroldsteinburg, rechts Richtung  Lahr, links hoch ins Schuttertal

Der begeisterte Fluggast schreibt:

Hier sende ich dir ein paar Bilder von unserem Flug über die Burg und ein paar andere. Ich bin immer noch  fasziniert und erzähle begeistert von dem schönen Tag. Ich wünsche dir weiterhin alles, alles Gute und vielleicht ja bis bald. Viele liebe Grüße von der Ostsee sendet dir Manuela.


Veröffentlichung vom 27. Mai 2018

siehe unter: https://www.heimatschwarzwald.de/

 Atemlos durch die Luft


EINMAL IN DIE LUFT GEHEN UND MIT DEM GLEITSCHIRM ÜBER DEN SCHWARZWALD: DIESER WUNSCH VON KAREN HECKERS GING IN ERFÜLLUNG

Es geht nicht. Keine Chance. Ich komm’ nicht vom Fleck. „Jetzt renn!“, gibt Rainer Schlack hinter mir unmissverständlich Order. Sehr witzig. Was glaubt denn der Herr Tandemflugpilot, was ich hier gerade versuche? Blümchen pflücken? Es ist, als würde mich eine riesige, unsichtbare Hand festhalten. Ich stemme mich mit sämtlichen Kilos und all meiner Kraft ins Gurtzeug, marschiere los und renne …

Und plötzlich zieht uns diese Hand, die uns eben noch auf Oppenauer Boden festtackern wollte, ganz sanft nach oben. Unter uns – zum Greifen nah – die Tannenwipfel. „Zu nah“, meldet das Gehirn an meinen Allerwertesten, der sofort versucht, den Erstkontakt zu vermeiden. „Komm, jetzt rutsch mal ganz nach hinten. Ruhig richtig tief ins Gurtzeug, das ist einfach viel bequemer“, meint Rainer.

Ach so, ich darf kurz vorstellen: Rainer Schlack aus Freudenstadt, 51 Jahre alt, seit 28 Jahren passionierter Gleitschirmflieger mit Tandemfluglizenz. Hauptberuflich Dentaltechniker. Und nebenberuflich Wunscherfüller, zumindest was mich betrifft. Er verwirklicht mir einen lang gehegten Traum: über meinen heißgeliebten Schwarzwald zu fliegen. Durch die Luft getragen zu werden und meine Heimat von oben zu sehen. Ich habe mich tief ins Gurtzeug gesetzt, mein Rücken drückt sich an Rainers Bauch. Hat ein bisschen was von Abrahams Schoß. Ich höre das Rauschen des Windes, atme die aufsteigende Waldluft ein, die heute irgendwie ganz besonders würzig ist. Über den Bergen des Schwarzwalds verschwinden die letzten Regenwolken, die Sonne hat sich durchgekämpft, das Licht ist weich. Unter uns leuchtet das Renchtal in sämtlichen Grünfacetten. Vor uns die Häuser von Bad Antogast, gemütlich aneinandergekuschelt, daneben ein stattlicher Schwarzwaldhof mit Leibgeding, umrahmt von blühenden Obstbäumen in Rosa und Weiß. Die Szenerie wirkt wie aus dem Katalog für Modelleisenbahnen. Klein, lieblich, verträumt. Einfach hinreißend. Am Horizont sind ganz entfernt die Rheinebene, Straßburg und das Münster zu erkennen. Die Landschaft: erhaben und anheimelnd zugleich. Plötzlich aber habe ich irgendwas Nasses im Gesicht …

Du ahnst es nicht: Frau Redakteurin – Marke „Ich rock’ das schon“ – laufen ein paar Tränen runter. Höhenkoller? Nein: Ich weine. Vor Glück, Ergriffenheit und vor – ’tschuldigung – lauter Besoffenheit über so viel Schönheit. „Wir müssen runter“, höre ich Rainer wie durch eine Wattewolke. „Macht im Moment keinen Sinn.“ Runter? Jetzt? Ich habe gerade die schönste Nebensache der Welt für mich entdeckt und soll schon wieder damit aufhören? „Wie ich’s dir erklärt habe: Füße hoch, Beine ganz gerade halten, wir landen“, kommt die Ansage. Wir fliegen auf die Landewiese zu, rumms, Bodenkontakt, es schiebt uns noch zwei Meter über das feuchte Gras, der Schirm gleitet hinter uns zu Boden. Das war’s schon. In einem schmalen Fach am unteren Teil des Gurtzeugs ist nämlich eine Art Vesperbrett in Po-Form untergebracht. Das macht die Landung einfacher, weniger holprig. Rainer trennt unser Gurtzeug vom Schirm, hilft mir auf. Und nimmt mich in die Arme: „Das gehört dazu beim ersten Mal“, lächelt er. „Also: herzlich willkommen im Club!“ Ich strahle ihn an und stammele nur irgendwas von „das Schönste, was ich seit Langem erlebt habe“. Oha: Wortfindungsstörungen.

Ich bin wie vom Blitz getroffen. Verliebt. Nein, nicht in Rainer. Ins Gleitschirmfliegen. Wir nehmen die Helme und das Gurtzeug ab, packen den Schirm in einen großen Rucksack. Was übrigens bei einer Fläche von rund 40 Quadratmetern gar nicht so einfach ist. Am Rand der Wiese werden wir wieder eingesammelt. Unser Fotograf Micha Bode ist so freundlich und mimt den Taxifahrer. Es geht wieder hoch auf den Startplatz an der Zuflucht. „Und? Angst gehabt?“, fragt er mich. Komisch. Diese Frage wurde mir bereits öfter gestellt. Nur ich habe mich das nie gefragt. Respekt: ja. Schließlich bin ich von Wind und Wetter abhängig, von einer fehlerfreien Ausrüstung und letztendlich von meinem sehr erfahrenen Flugpartner. Rainer Schlack ist penibel, erklärt mir genau, was auf mich zukommen kann und worauf man achten muss. Seine Ausrüstung war beim TÜV, der Schirm ist überprüft. Das ist Vorschrift. Und er weiß auch genau, wann es besser ist, das Fliegen einfach bleiben zu lassen. Er hat einen zwölfjährigen Sohn. Und hängt auch sonst am Leben. Aber: Natürlich gebe es Leute, die sich überschätzen und im Baum landeten. Meist ist dann nur der Stolz verletzt. Manchmal aber auch mehr … „Und? Willste noch mal?“ Was für eine Frage. Also den Schirm ausgebreitet, alle Leinen überprüft, rein ins Gurtzeug, Trockenübungen gemacht und festgeschnallt. Aber wir müssen ein bisschen warten. Die Thermik ist noch nicht optimal. Eins schwöre ich mir, während wir am Startplatz den optimalen Moment abpassen: „So was wie beim ersten Start passiert mir nicht noch mal.“ Plötzlich kommt das Kommando „Startklar.“ Runterzählen „Drei, zwei, eins und los“, rechter Fuss zuerst und: Rennen. Ich renne, und renne und … „Kannst aufhören“, das Grinsen von Rainer ist nicht zu überhören. Ich strampele wie ein frisch geschlüpftes Entchen bei den ersten Schwimmversuchen – obwohl wir schon längst abgehoben haben.

Und dann fliegen wir: eine Dreiviertelstunde lang. Umkurven den Buchkopfturm. Schrauben uns höher und höher, um dann wieder nach unten zu gleiten und Tempo aufzunehmen. Wir sehen den Kniebis, ein Stückchen von der Hornisgrinde und weit entfernt den Kandel. Es ist atemberaubend. „Und? Ist Dir schlecht?“ Rainer macht sich wohl Sorgen um seine Ausrüstung. Wenn ich mich übergeben müsse, dann bitte nur nach links, hat er mir noch eingeschärft. Rechts sei nämlich die Sicherung. Nein. Mir ist nicht schlecht. Aber es muss jetzt raus: Ich schreie nur noch „Geeeeeiiiil“. Die Leute auf dem Turm lachen und winken. Und eins steht fest: Ich mache den Flugschein. Willkommen im Club!

Rainer Schlack von RenchtalAir bietet für Neugierige und Anfänger Tandemflüge von der Zuflucht in Oppenau an.